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November 1999

Hintergrund meiner Analyse ist folgendes:

In einer Studie von PaineWebber wurden Investoren, die seit 5 Jahren im Aktienmarkt engagiert sind, gefragt, welche durchschnittliche jährliche Steigerung sie von Aktien in den nächsten 10 Jahren erwarten. Durchschnittsantwort: 22,6 Prozent pro Jahr!
Bei den seit über 20 Jahren im Markt tätigen war der Durchschnitt "nur" 12,9 Prozent.
Die tatsächliche Steigerung des S&P 500 in den letzten 5 Jahren war durchschnittlich knapp 12 Prozent, und das in einer Super-Hausse.

Angesichts dieser Ergebnisse hat Warren Buffett vor einer Gruppe von Investoren in Idaho gewarnt: "Aktien-Investoren erwarten heutzutage viel zuviel." Er nennt auch eine andere Periode: Zwischen Ende 1964 und Ende 1981 stieg der Dow Jones um - Null Komma Null Prozent! Und das, obwohl das US-Bruttoinlandsprodukt in der gleichen Zeit um 370 Prozent stieg. Und ich nenne eine andere Periode: 1929 bis 1954 - Gewinn Null.

(Quelle: http://www.siliconinvestor.com/insight/daily/index.gsp, geschickt von einem Leser)

Meine folgende Analyse bezieht sich auf den Dow Jones Industrial-Index mit der Frage: Wie sind die Gewinnaussichten, wenn man 10 Jahre im Dow Jones-Index investiert ist (1 : 1 Abbildung vorausgesetzt)?

Klar, jeder weiß, dass die letzten 10 Jahre außerordentlich gut waren, sogar die letzten 20 Jahre. Aber wie war es im Durchschnitt? Der Durchschnittswert ist zwar interessant, aber wenig aussagefähig, vor allem nicht für die nächsten 10 Jahre. Immerhin kann man aber aus 100 Jahren Dow-Jones-Geschichte statistische Wahrscheinlichkeiten ermitteln - mehr aber auch nicht.

Die zugrunde liegenden Daten sind die Wochen-Schluss-Kurse des Dow Jones vom 2. Januar 1901 bis zum 5. November 1999.

Die Grafik zeigt die Gesamtrenditen (ohne Transaktionskosten) bei einem Einstieg in den Dow Jones zu einem bestimmten Zeitpunkt (in Wochenabschnitten) nach einer Haltedauer von genau 10 Jahren.

Beispiel: Wer im September 1919 eingestiegen ist, hatte nach 10 Jahren (kurz vor dem 29-er Crash) einen Gesamtgewinn von knapp 300 %. Wer allerdings 1922/1923 eingestiegen ist, hatte nach 10 Jahren leider ein Minus von etwa 50 % (der denkbar ungünstigste Einstieg war natürlich am 3. September 1929 - nach 10 Jahren ein Minus von 64 %!).
Extrem gute Einstiegspunkte für eine 10-Jahres-Periode waren also 1919, 1949 und 1979 - 1982. Und extrem schlechte waren 1922/23, 1928 - 1931, und noch ein paar Mal Mitte der 60-er bis Anfang der 70-er Jahre.

Auffällig ist vielleicht, dass es 20 Jahre gut ging, dann etwa 10 Jahre schlecht, dann wieder 20 Jahre gut, 10 Jahre schlecht, 20 Jahre gut, ... .

Sehen wir uns die nächste Auswertung an:

Hier geht es um die Beantwortung der Frage: Wie hoch war in den vergangenen 100 Jahren die Wahrscheinlichkeit, nach 10 Jahren "buy-and-hold" einen Gewinn von mindestens X zu erzielen.

Beispiel: Mit 50 %-iger Wahrscheinlichkeit (linke Skala) konnte man mit einem beliebigen Einstiegszeitpunkt mit einem Gewinn von mindestens 70 - 75 % (untere Skala) nach 10 Jahren rechnen. Oder: Mit nur etwa 10 %-iger Wahrscheinlichkeit ist mit einem Gewinn  von 195 % zu rechnen.

Um es klar zu machen: Ein Gewinn von 70 % nach 10 Jahren heißt nicht 7 % pro Jahr, sondern 5,45 %, denn 1,0545 hoch 10 ist 1,7.

Wenn also die Anleger aus der am Anfang zitierten Umfrage mit einem durchschnittlichen Gewinn von 12,9 % oder gar 22,6 % rechnen, würde das nach 10 Jahren einen Gesamtgewinn von 336 % bzw. sogar 767 % bedeuten! Die Wahrscheinlichkeit liegt bei praktisch Null, wie die Grafik zeigt.

Eine andere wichtige Aussage der Grafik ist: "Mit 90 %-iger Wahrscheinlichkeit ist nach 10 Jahren immerhin mit einem Plus zu rechnen", oder anders: "Mit 10 %-iger Wahrscheinlichkeit ist auch nach 10-jähriger Haltedauer mit einem Verlust zu rechnen".

Letzte Auswertung:

Hier geht es um die Frage der Häufigkeitsverteilung der Gesamtgewinne nach 10 Jahren ei einem beliebigen Einstieg seit 1901. Es gibt eine interessante sog. "Cluster"-bildung. Gewinne zwischen 200 % und 120 % sowie zwischen 90 % und minus 10 % sind recht häufig, jedoch sind Gewinne im Bereich von etwa 110 % recht gering verteilt. Diese Auffälligkeit hat jedoch keine Bedeutung für die Zukunft - sie zeigt nur, dass die Gesamtgewinne während der letzten 100 Jahre nicht "normal verteilt" sind. Dies wiederum läßt den Schluss zu, dass, obwohl es sich um über 5.000 ausgewertete Kurse handelt, es eben doch nur "ein zufälliger Zeitraum" ist.

Fazit dieser Analyse:

Statistiken lassen keinerlei Aussagen über die Zukunft zu. Jedoch ist ziemlich klar - aber das sagt auch der gesunde Menschenverstand - dass NICHT mit durchschnittlichen Gewinnen von 12,9 % oder gar 22,6 % über einen längeren Zeitraum zu rechnen ist, eher mit 5 % bis 6 %. Und genau das ist auch das Ergebnis der Analyse von Robert Bock mit Daten des DAX über die letzten 40 Jahre.

Wer also in Aktien anstatt in Staatspapiere investiert, glaubt, besser zu sein als der Durchschnitt. Na dann: Viel Erfolg!

Ich glaube immer noch - Sie wissen das - dass mit der Elliott-Wellen-Methode der Durchschnitt zu schlagen ist. Und die Hauptaussage für die nächsten Jahre lautet: Nach 20 extrem "fetten" Jahren kommen extrem "magere".

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