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Beschreibung

Die Theorie der Elliott-Wellen wurde in den 30er und 40er Jahren von dem Amerikaner Ralph Nelson Elliott entwickelt. Elliott war mehrere Jahre lang durch eine schwere Krankheit ans Bett gefesselt und beschäftigte sich in dieser Zeit mit dem Studium und der minutiösen Beobachtung des Aktienmarktes. Er fand bald heraus, dass Kursbewegungen nach immer wiederkehrenden Mustern verlaufen. Das Erkennen dieser Muster erfordert jedoch viel Übung, denn das Schwierige an diesen Wellenmustern ist, dass sie auf mehreren Ebenen ineinander verschachtelt sind, d. h. in Form von Fraktalen aufgebaut sind.

Hier dieses typische Muster:

Die fünf Wellen (mit 1, 2, 3, 4, 5 bezeichnet) bilden den sog. "Impuls" der ersten Wellenebene. Das Ende der Welle 5 ist gleichzeitig das Ende der Welle (1) auf der nächsthöheren Ebene. Von der (1) geht es zur (2), genauso wie es auf der kleineren Ebene von der 1 zur 2 ging. Die Abwärtsbewegungen 2 und 4 sind, im Gegensatz zum Impuls, "Korrekturen". (Das Ganze kann natürlich auch umgekehrt sein, nämlich fünf Wellen abwärts und drei aufwärts.)

Und nun kommt der nutzbringende Teil:
Was kommt nach der (2)? Nun, das Gleiche, was nach der 2 kam, nämlich die 3. Nur sind wir mit der (2) eine Wellenebene höher, deshalb kommt nun die (3).

Das nächte Bild zeigt das Ganze mit noch zwei weiteren Wellenebenen.

  • Erste Ebene: die fünf Wellen bis zur 1 (nicht bezeichnet)
  • Zweite Ebene: 1 - 2 - 3 - 4 - 5
  • Dritte Ebene:(1) - (2) - (3) - (4) - (5)
  • Vierte Ebene:[1] - [2] - [3] - [4] - [5] (gezeigt sind hier nur [1] und [2])

So einfach ist das - im Prinzip. In der Praxis leider nur dann, wenn man weiß, auf welcher Wellenebene und in welchem Zyklus ein Markt sich befindet. Und genau das erfordert eine so aufwendige Beschäftigung mit einem Markt.

Warum ist es so, dass diese Muster immer wieder in diesen Verschachtelungen auftreten?

Dieser fraktale Aufbau ist keineswegs ungewöhnlich, sondern Fraktale sind die üblichen Bausteine der Natur. Nur ein paar Beispiele:

Das Stichwort "Apfelmännchen" haben Sie vielleicht schon mal gehört, hier sehen Sie eines. Eine mit Hilfe eines Computers gezeichnete Struktur, die aus immer wiederkehrenden selbstähnlichen Formen entsteht.

Zu abstrakt? Wie wär's hiermit?

Ein Teilstück vom Blatt eines Farns sieht in der Vergrößerung exakt so aus wie das ganze Blatt. Und selbst das Teilstück von diesem Teilstück sieht wieder genauso aus, nur kleiner.

Praktisch die ganze Natur ist fraktal aufgebaut, und es gäbe dazu zu viel zu sagen, als dass ich es hier tun könnte. Letztes extremes Beispiel: Ein Atom ist prinzipiell genauso aufgebaut wie das Sonnensystem und ganze Galaxien. "Wie im Kleinen, so im Großen."

Diesen fraktalen, bausteinartigen Aufbau finden wir eben auch in der Bewegung der Finanzmärkte wieder, und es ist kein Zufall, sondern ein Naturgesetz. Das typische fünfteilige Impulsmuster mit anschließender dreiteiliger Korrektur entsteht, weil es sich nach massenpsychologischen Gesetzmäßigkeiten richtet. Es basiert auf den allzu menschlichen Gefühlen, die zwischen den Extremen Panik und Euphorie pendeln. Dazwischen gibt es alle Nuancen und Ausprägungen wie Hoffnung, Gewöhnung ("Konsolidierungsphasen"), Freude, Bestätigung, Erfolg, Gier, Angst, Verzweiflung usw.. Verhaltensforscher haben längst diese typischen Stimmungsphasen in vielen Bereichen bestätigt. Und wo könnten sich solche massenpsychologischen Entwicklungen besser "austoben" als auf den Aktienmärkten und anderen Finanzmärkten, wo es um reine "Spekulation" geht?

R. N. Elliotts Theorie ist also eine detaillierte Beschreibung über das Verhalten von Finanzmärkten. Sie beruht darauf, dass das zyklische Schwanken der Massenpsychologie der Marktteilnehmer zwischen Optimismus und Pessimismus nach natürlichen Gesetzmäßigkeiten und in bestimmten Mustern erfolgt. Jedes Muster lässt Aussagen über die vergangene, derzeitige und zukünftige Position eines Marktes in einem Zyklus zu.

Wer sich eine Weile mit dieser Prognosemethode auseinandersetzt und nach langer Übungszeit einigermaßen beherrscht, der merkt, wie ihn die früher als so wichtig erachteten Nachrichten und Gerüchte völlig kalt lassen. Diese sog. "Fundamentals“ sind letztlich auch wiederum nur eine Folge der massenpsychologischen Gesamtstimmung. Denken Sie an die vordergründigen, unlogischen, ständig wechselnden, „fundamentalen“ Erklärungen! Mal waren es die Zinsen, mal der Arbeitsmarkt, mal die steigende Inflation, mal die fallende Inflation, mal das Bruttosozialprodukt, mal das Handelsbilanzdefizit, mal dies und mal das, was die Aktien, die Anleihen, die Rohstoffpreise oder die Währungen bewegt haben soll. Das große Manko bei dieser Methode: Leider bekommt man erst nach einer Kursbewegung gesagt, was diesmal der Auslöser war. Und als potentielle Gründe stehen Tausende zur Auswahl.

All’ diese „Fundamentals“, diese "externen Marktfaktoren", sind nicht die Auslöser von Verhaltensänderungen bei den Marktteilnehmern, sondern sie sind die Folge eines bereits veränderten Verhaltens. Die Inflationsrate, als Beispiel, wird letztlich durch das Massenverhalten bestimmt, konkret in Form des Konsumverhaltens und der Neuverschuldungsbereitschaft der Wirtschaftsteilnehmer. 

Die Psychologie, und nichts anderes, bestimmt jeden Markt zu jeder Zeit! Und die Marktpsychologie der Marktteilnehmer richtet sich, wie alle vom Menschen geprägten Entwicklungen, nach unumstößlichen Naturgesetzen. Und diese Naturgesetze bestimmen den Verlauf, die Muster, die Proportionen und die zeitlichen Komponenten der Marktbewegungen.

Ralph Nelson Elliott hatte (und hat bis heute) nur wenige ernsthafte Anhänger, die seine Theorie bis heute weitergetragen haben. Viele sagen zwar: "Elliott-Wellen - kenn' ich, hab' ich auch mal ausprobiert, funktioniert aber nicht." Ein solches Urteil kann man sich bei dieser komplexen Methode erst erlauben, wenn man sich viele Jahre, und zwar intensiv, damit auseinander gesetzt hat. Nach kurzfristigen Erfolgserlebnissen kommen sehr schnell die Enttäuschungen. Diese Phase muss man - und kann man - überwinden, wenn man hartnäckig dabei bleibt.

Es ist keineswegs so, dass man als geübter "Elliotter" nur noch perfekte Prognosen abgibt. Man erreicht aber ein erstaunlich gutes Chance/Risiko-Verhältnis, vorausgesetzt, man ist absolut konsequent und setzt nie "alles auf eine Karte".

Viel entscheidender ist aber, dass man ein völlig neuartiges, umfassendes, globales und gelasseneres Weltbild bekommt, indem man große Bewegungen (und zB auch soziale Trends) erfassen und einschätzen kann. Man kann sich auf kommende Ereignisse vorbereiten, auch wenn man oft nicht weiß, wann sie eintreten.

Hamilton Bolton, A.J. Frost und Charles J. Collins waren ernsthafte Anhänger. Und Robert R. Prechter ist heute wohl der bekannteste und erfolgreichste. Vorreiter für Elliott waren Arthur Pigou, Charles H. Dow und Bernard Baruch. Letzterer, ein Multimillionär durch Spekulation, traf den Nagel mit folgenden Worten auf den Kopf:

„But what actually registers in the stock market’s fluctuations are not the events themselves,
but the human reactions to these events. In short, how millions of individual men and
women feel these happenings may affect their future.“

Ich möchte die Elliott-Wellen populärer machen, möchte, dass mehr Menschen eigene Analysen anstellen, anstatt sich auf die Flut an Nachrichten und Kommentaren von sog. Profis zu konzentrieren. Niemand weiß immer, wohin eine Aktie oder eine Währung geht, auch kein "Elliotter". Aber ein "Elliotter" hat eine eigene Meinung zu einem Markt, den er analysiert hat. Er weiß, wann das Chance/Risiko-Verhältnis erfolgversprechend ist und er hat ganz konkrete Punkte, an denen er weiß, wann er aussteigen muss, (wenn nämlich Muster oder Proportionen verletzt werden), während der "normale", fundamental orientierte Analyst sich auf andere verlässt und immer von der Hoffnung lebt.

Meine Prognosen sind daher nicht einfach "Behauptungen", sondern immer nachvollziehbar auf Basis der Regeln und Leitlinien der Elliott-Wellen-Theorie.

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