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Vergleich DAX-Future vs. Zertifikate

Stand: 23. Mai 2004

Ich hatte schon mehrfach darauf hingewiesen, dass Hebelzertifikate die "zweite Wahl" beim Traden sind. Spreads (0,02 €) und Gebühren (i. d. R. ca. 20 € für Kauf + Verkauf) scheinen zwar auf den ersten Blick "vernachlässigbar", aber auf Dauer sind es genau diese, die den Prognoseerfolg eines Daytraders zu einem Erfolg für Broker und Banken machen.

Zur Verdeutlichung möchte ich noch einmal meine eigene Statistik bemühen, die auf etwa 400 Trades im Zeitraum März 2003 bis Januar 2004 beruht:

Hier sind die Ergebnisse in DAX-Punkten gezeigt, also ohne jeden "Reibungsverlust" wie Spread und Gebühren. Es ist schon schwer genug, dabei positive Ergebnisse zu erzielen, beim Würfeln wäre es eine tendenziell waagerechte Linie, keine steigende.

Die Ergebnisse - unterstellt, sie sind in etwa repräsentativ für mein Traden - sind aber nicht gut genug, um gegen die "Reibungsverluste" anzukämpfen, jedenfalls nicht mit Hebelzertifikaten in geringer Stückzahl unter etwa 2000 - 3000 Stück pro Trade.

Hebelzertifikate werden mit einem Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) von 0,02 € gehandelt. d. h. wenn Sie z. B. 2000 Stück kaufen und sofort wieder verkaufen, haben sie 60 € verloren (2000 x 0,02 + 20 € Gebühren). Bei 1000 Stück 40 €.

Der DAX-Future (FDAX) dagegen hat einen Spread von 0,5 Punkten, also nur ein Viertel des Zerti-Spreads. Die Gebühren pro Future sind je nach Broker sehr unterschiedlich und reichen von 4 € (Kauf + Verkauf) bis ca. 20 - 30 €. Interactivebrokers (IB) nehmen 4 €, d. h. 2 € beim Kauf und 2 € beim Verkauf. 

Ein DAX-Future entspricht im Wert dem aktuellen DAX-Stand mal 25. Wenn man einen DAX-Future kauft, kauft man damit quasi 25 Mal den DAX in €. Verändert sich der DAX um einen Punkt, dann verändert sich der Wert des ge- oder verkauften Futures um 25 € - der Gewinn oder Verlust. 

Der Dax-Future (Kürzel: FDAX. ISIN: DE0008469594) ist ein Terminkontrakt, der den Inhaber berechtigt und verpflichtet, einen theoretischen Aktienkorb, den Dax, zu einem fest vereinbarten Preis und einem festen Termin zu kaufen oder verkaufen.

Basisobjekt des DAX-Future ist der Deutsche Aktien-Index, der die 30 umsatzstärksten und bekanntesten deutschen Aktiengesellschaften umspannt. Der Wert eines Kontraktes beträgt 25 Euro pro DAX-Punkt. Verfügbar sind Laufzeiten von 3, 6 und 9 Monaten, Liefertermine März, Juni, September und Dezember. Handelszeit für den DAX-Future ist börsentäglich von 08:50 - 20:00 Uhr.

Minimale Preisvariation: 0,5 Index-Punkte; dies entspricht einem Wert von 12,50 € pro Kontrakt.

Letzter Handelstag ist der 3. Freitag des fälligen Terminmonats, sofern dies ein Börsentag ist; andernfalls der davor liegende Börsentag. Handelsschluss für den fälligen Kontrakt ist der Beginn der Aufrufphase der von der Geschäftsführung bestimmten untertägigen Auktion im elektronischen Handelssystem der Frankfurter Wertpapierbörse (Xetra®) um 13:00 Uhr MEZ.

Um einen DAX-Future im Wert von 95.000 € zu kaufen, brauchen Sie keine 95.000 €. Genau genommen brauchen Sie gar nichts, denn Sie gehen erst mal nur einen Vertrag (eine Wette) ein und müssen dafür nichts bezahlen - aber am Ende einen evtl. Verlust ausgleichen, so wie eine Wette am Ende bezahlt oder eingelöst wird. Damit der Broker Ihre Wette aber an die Börse leitet, will er eine "Sicherheitshinterlegung" von Ihnen. Wenn er also z.  B. 12.500 € Sicherheit verlangt, dann sind damit 500 DAX-Punkte Verlust abgedeckt. Die offizielle Beschreibung ist hier zu lesen..

Ganz wichtig: Es kann neben einem Totalverlust eine zusätzliche Nachschusspflicht entstehen, wenn sich der Index nicht in die von ihm erhoffte Richtung bewegt und die von der Börse verlangte Mindesteinschusspflicht unterschritten wird! 

Zusammenfassung Zertifikate DAX-Future
Spread 0,02 € 0,5 FDAX-Punkte
günstigste Gebühren (K + V) ca. 20 € 4 € (IB)
Wert ca. 500 - 3.000 € * ca. 95.000 € **
Kapitaleinsatz ca. 500 - 3.000 € * 10.000 - 15.000 €
* abh. von Stückzahl und Kurs ** per 18.05.2004

 

Mit diesen Angaben kann man folgenden Vergleich machen:

Auf der X-Achse ist die Veränderung in DAX-Punkten aufgetragen, auf der Y-Achse der Gewinn/Verlust in €. Wohlgemerkt: Die Zahlen beziehen sich auf einen Trade, Kauf + Verkauf.

Konzentrieren wir uns zunächst auf die hellblaue und die dunkelgrüne Linie. Die hellblaue zeigt das Gewinn-/Verlustprofil bei jeweils 2500 gekauften Zertifikaten, die dunkelgrüne jenes bei einem DAX-Future. Beide Instrumente gewinnen oder verlieren pro DAX-Punkt 25 €. Da aber bei Zertifikaten ein höherer Spread sowie höhere Gebühren mitverdient werden müssen (die Differenz beträgt 53,50 € pro Trade), sind die Mindestbewegungen des DAX unterschiedlich, ab denen ein Gewinn entsteht. Bei 2500 Zertifikaten braucht man 2,8 DAX-Punkte, um in die Gewinnzone zu kommen, bei einem DAX-Future 0,66 Punkte. Bei 2,8 Punkten ist beim DAX-Future bereits ein Gewinn von 53,50 € entstanden. Bei nur 1000 Zertifikaten braucht man 4 Punkte, um +/- Null raus zu kommen.

Diese 53,50 € pro Trade machen einen Riesenunterschied bei genügend vielen Trades. Nehmen wir die 400 Trades aus der o. g. Testphase: In Summe ein Unterschied von 21.400 € (!) netto.

Die 400 Trades brachten gut 1600 DAX-Punkte, d. h. ganze 4 Punkte pro Trade. Das klingt wenig, ist aber schwer genug. Und es reicht auch - mit dem richtigen Instrument! Netto wären beim DAX-Future 33.400 € Gewinn entstanden [1600 x 25 € - 400 x 0,5 x 25 € - 400 x 4 €], mit 1000 Zertifikaten Null, mit 2500 Zertifikaten immerhin noch 12.000 € [((1600 - 400 x 0,02 €) x 2500) - 400 x 20 €]. Differenz: 21.400 €, eben die 53,50 € mal 400 Trades.

33.400 € Gewinn oder nur gut ein Drittel davon.

Die übrigen Linien dürften nun verständlich sein. Bei doppelter Menge (5000 Zertifikate bzw. 2 FDAX) beträgt der Unterschied pro Trade 87 €.

 

Hinzu kommen aber noch weitere Punkte gegen Zertifikate. Ich habe sehr intensiv mit Zertifikaten gehandelt, mit verschiedenen Emittenten. Alle haben Tricks. Die einen (erlebt bei Citibank) haben in einem Fall für 6000 Stück keinen automatischen Kurs quotiert, nicht für 3000, nicht für 2000, erst für 1000. Alle "ziehen den Stecker" ("Der Handel ist zurzeit nicht möglich"), wenn es ein bisschen volatil wird. Deutsche Bank wirbt mit "auch große Stückzahlen", was ich zumindest  für 10000 Stück (ist das eine große Stückzahl?) auch bestätigen kann (mehr habe ich nie in einer Transaktion verkauft). Der Trick liegt aber woanders, speziell bei größeren Stückzahlen: Man sieht einen Kurs, z. B. 0,80/0,82 € und fragt den Handelskurs ab. Es erscheint 0,79/0,81 - obwohl der DAX oder DAX-Future sich in den 2 Sekunden nicht bewegt haben. Okay, man akzeptiert 0,79 € als Verkaufskurs .... da heißt es "Der Handel konnte nicht abgeschlossen werden, weil ...." ... weil der Kurs inzwischen nur noch bei 0,78/0,80 € steht. Hmm, abbrechen, kurz warten, Kurs immer noch 0,78/0,80 €, dann wieder abfragen. Es kommen 0,77/0,79 €. Akzeptiert man, heißt es wieder "Der Handel konnte nicht ..." ... weil er inzwischen bei 0,76/0,78 € steht. Ohne dass sich der DAX (-Future) bewegt hat, gehen so leicht 0,02 bis 0,04 € flöten, oft genug erlebt.

Alle Emittenten wissen genau, wie viele Zertifikate gerade "draußen" sind. Und leichte "seltsame" Schwankungen von 0,01 oder 0,02 € fallen kaum auf - aber sie summieren sich, besonders für die Bank, aber auch beim Trader. Sie haben gesehen, wie viel nur wenige Punkte beim Gesamtergebnis auf längere Dauer ausmachen. Sie machen je nach Stückzahl den Unterschied zwischen Erfolg und Verlust.

Und so kann es kommen, dass die verschiedenen Emittenten sogar sehr große Unterschiede in ihren DAX-Quotierungen haben, wie dieses (extreme) Beispiel vom 11.05.2004 zeigt:

Deutsche Bank (DBAX) nennt 3845 Punkte, Citibank (CGAX) 3831 und Commerzbank (COBA Dax) 3821 Punkte. Unterschiede bis zu 24 Punkten! So etwas geht natürlich nur, nachdem der DAX-Future geschlossen hat (nach 20 Uhr).

Nun, ich weiß zumindest, dass ich an diesem Abend 10000 Shortzertifikate von der Deutschen Bank hatte .... seltsam. Bei der Commerzbank standen offenbar viele Longzertifikate aus.

 

Das Fazit: Hebelzertifikate haben viele Nachteile (Spread und Gebühren) und Risiken (Kursstellung, Liquidität) gegenüber dem DAX-Future. Wenn überhaupt, dann nicht unter 2000 Stück pro Trade, sonst ist es zwar ein Zeitvertreib, aber auch brotlose Zeitverschwendung. Wenn Sie in der Lage sind, mindestens 15.000 - 20.000 € bei einem Broker zu hinterlegen, sollten Sie unbedingt auf den DAX-Future-Handel umsteigen - vorausgesetzt, Sie haben ausgiebige Erfahrungen mit Zertifikaten und mit dem (Day-)Trading.

Ich habe seit Kurzem bei Interactivebrokers ein Konto und kann sie nur empfehlen (wovon ich nichts habe). Die Kontoeröffnung läuft komplett per Internet bzw. eMail, wenn Sie Ihren Ausweis und einen Adressennachweis scannen und mailen. Die Überweisung erfolgt auf ein Konto bei der Citibank in Frankfurt. Von meiner Kontoeröffnung bis zum Handeln vergingen drei Werktage, und dabei habe ich noch einen Tag mit der Überweisung gewartet. Einziger Nachteil: Alles in englisch. Allerdings gibt es eine deutsche Anleitung. Um den FDAX auch realtime zu sehen, muss man die Kursdaten abonnieren und eine Börsengebühr von 8 € pro Monat bezahlen (DTB Level 1). Die "Trader Workstation" (TWS) gibt es in deutscher Sprache, allerdings ist sie nicht durchgängig in deutsch, aber in den Menüs und Erklärungen. Das Tutorial wiederum ist in englisch. Es gibt auch eine deutsche Hotline (Tel. 00800-42276537, fragen Sie möglichst nach Herrn Marcedo, Herrn Rico, Herrn Helfenberger oder Herrn Giessner). Und falls Sie die Überweisung nicht innerhalb von 35 Tagen vornehmen, ist die Kontoeröffnung hinfällig.

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