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Symposiom Luxemburg

Ich hatte angekündigt, ein wenig von dem Kapitalmarktforum in Luxemburg am 09. und 10. September 1999 zu berichten.

Es war eine interessante, hochkarätige Veranstaltung mit perfekter Organisation. (Eines meiner persönlichen Höhepunkte war das 8-Gänge-Abendmenü in der Luxemburger "Bergerie" mit Gästen aus Luxemburg, Österreich, der Schweiz und Deutschland.) Außerdem war es sehr erfolgreich.

Zunächst das Programm (auf das Bild klicken zum Vergrößern):

Redner waren also - außer meiner Wenigkeit -

- Ralf Baczewski, Leiter Rentenrechearch der WGZ-Bank
- Wieland Staud (bekannt von der n-tv-Telebörse)
- Yves Mersch, Präsident der Luxemburger Zentralbank und Mitglied der EZB
- Dr. Gernot Nerb, Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung
- Hans A. Bernecker, Herausgeber "Die Actien-Börse"
- Dr. Georg Rich, Chefökonom der Schweizerischen Nationalbank

Es steht mir nicht an, die Vorträge der oben genannten Redner zu bewerten oder zu kommentieren. Ich werde lediglich ein paar Aussagen wiedergeben.

Ralf Baczewski: Die Fundamentalanalyse der Kapitalmärkte hält den Zinsanstieg der jüngeren Vergangenheit für überzogen. Daher ist mit eher fallenden Renditen zu rechnen.

Wieland Staud: Sowohl für den DAX als auch für den Dow Jones ist er uneingeschränkt bullish, abgesehen von eventuellen zwischenzeitlichen, kleineren Korrekturen. DAX-Ziel im nächsten Jahr: 8.000.

Yves Mersch: Er hat große Teile der Greenspan-Rede vom 27.08.99 wiederholt bzw. die Inhalte mit ähnlichen Worten formuliert. Die Hälfte bis zwei Drittel der Redezeit war den Aktienmärkten gewidmet (!) mit dem Tenor, dass die Notenbanken auch die "asset inflation" beachten müssten.

Dr. Gernot Nerb: Alle Länder wurden sowohl nach ihrem derzeitigen als auch nach ihrem zukünftigen wirtschaftlichen Zustand untersucht. Fazit: Mit Ausnahme von Russland und Osteuropa haben alle die Talsohle hinter sich, wenn auch einige (Japan, Lateinamerika) von einem sehr niedrigen Niveau. Also insgesamt recht optimistisch für die Weltwirtschaft.

Hans A. Bernecker: Prinzipiell positive Aktien-Aussichten für Europa und USA, jedoch sind die Internet-Aktien sowie der Neue Markt weiterhin korrekturbedürftig. Zitat aus seinem letzten Börsenbrief (04.09.): "Sollte es dennoch einen (Mini)-Crash geben, dann ist dies die 'glücklichste' aller Kaufgelegenheiten, wie in allen Crash-Phasen vorher."
 
Dr. Georg Rich: Der Schweizer Franken wird auf absehbare Zeit eine eigene Währung bleiben, die Schweizerische Nationalbank wird eine eigenständige Politik verfolgen und der Euro wird keine Ersatz- oder Schattenwährung in der Schweiz werden.

(Hoffentlich habe ich das in Kurzform richtig wiedergegeben.)

Im krassen Gegensatz standen also im Wesentlichen der Vortrag von Herrn Staud und meine daran anschließende, äußerst pessimistische Einschätzung speziell für die USA. Meine Argumente kennen Sie, ich habe sie auch dort vorgetragen.

Für die anwesenden Banken und Fond-Manager war es natürlich frustrierend, von zwei "Technikern" (die Elliott-Wellen werden ja - meiner Meinung nach fälschlich - zu den technischen Methoden gezählt) völlig gegensätzliche Prognosen zu hören ...  Nur die Zukunft kann das Urteil abgeben.

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